Prämierte FISCHAUFSTIEGSHILFE

Salza Gusswerk

DIE SALZA:

 

Die Salza entspringt im steirisch- niederösterreichischen Grenzgebiet, durchfließt in vorwiegend westlicher Richtung das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Mariazellerland um unbelastet und mit bester Gewässergüte nach 82 km die Mündung in die Enns bei Großreifling zu erreichen.

 

Wenn heute im aktuellen Katalog der Flüsse Österreichs (Herausgeber: BM für Land- und Forstwirtschaft, BM für Umwelt, Jugend und Familie und WWF Österreich) die Salza daher auch nicht unbegründet als einer der längsten natürlich verbliebenen Gewässer Österreichs mit all den ökologischen Vorzügen und Einmaligkeiten angeführt ist, haben prominente Naturgenießer wie z.B. E. Hemmingway oder Charles C. Ritz die Vorzüge dieses Gewässers als leidenschaftliche Petrijünger mit der Fliege schon schätzen und lieben gelernt. 

 

ANLAGE RECHENSTEG - SALZA BEI GUSSWERK FUNKTIONSERHALTUNG:

 

Eine Aufgabe stellt unter anderem das Ziel die sichere Durchgängigkeit der gesamten Gewässerfauna vor allem der Leitfischarten bei den Wehranlagen dar. Wenn eine Fischaufstiegseinrichtung auch den sogenannten technischen Stand darstellt, so entsprechen heute aber tatsächlich nur ganz wenige Anlagen die in sie gesetzte Erwartungen. Erfolge bleiben oft aus mangelhafter Abstimmung bezüglich Wassermenge, Dimensionierung, Raumnutzung und -verfügbarkeit, und vor allem zwischen dem finanziellen Wollen und dem möglichen technischen Können aus. Das es aber auch anders gehen und funktionieren kann zeigt das Beispiel an der Salza in Gußwerk.

 

RÜCKBLICK UND AUSGANGSSITUATION:

 

Bei dem Umbau der Wehranlage Rechensteg im Jahre 1985 stand wegen der damaligen Eigentumsverhältnisse für eine Fischaufstiegshilfe nur die linke Gewässerseite zur Verfügung. Die errichtete Aufstiegshilfe bestehend aus einem mit Überlaufsegmenten unterteilten hölzernen Kastengerinne konnte ihre Aufgabe nur bedingt erfüllen. Bei den letzten Hochwässern wurde die Anlage teilweise angegriffen, sodaß eine Reparatur ins Auge gefaßt werden mußte. Die letzten Hochwässer zeigten aber auch bestehende Risiken und Schwachstellen im gegenständlichen Ortsgebiet auf und gaben den Anlaß für die Einleitung von entsprechenden Schutzmaßnahmen.

 

Mit der Ausführung der passiv und ökologisch ausgerichteten Hochwasserschutzmaßnahmen war der großzügige Ankauf von Hochwasserabflußflächen verbunden. Dabei wurde neben den erwarteten naturräumlichen Vorteilen für den Flußraum Salza auch der Gedanke zur möglichen Errichtung einer großzügigen Fischaufstiegshilfe am rechten Ufer in die Gesamtplanung miteingebunden. Die diesbezüglichen Projekts- und Finanzierungsgespräche zeigten rasch den guten Willen aller Beteiligten mit dem Ergebnis, daß die Elektrizitätswerke Gußwerk (EVN), als Konsensinhaberin der Wasserkraftanlage und mit wesentlicher Beteiligung der ÖBF-Forstbetrieb Steiermark als Fischereiberechtigte sowie dem Referat Wasserbau und Naturschutz der Baubezirksleitung Bruck/Mur die Errichtung eines Fischaufstiegs in Form eines Umgehungsgerinnes am rechten Salzaufer realisiert werden konnte.

 

DAS NEUE FISCHZUGGERINNE

 

Die Fischaufstiegshilfe wurde als naturnahes Umgehungsgerinne ausgestaltet. Die Höhendifferenzen zwischen den einzelnen Fließabschnitten im Ober- und Unterwasser werden mit offenen Steinschwellen und Schwemmholzeinbauten ausgeglichen. Nachdem Dotierungseinrichtungen mit ihren teilweise sperrenden Charakter die gesamte Funktion der Fischaufstiegshilfen in Frage stellen können, wurde hier der Weg zu neuen Ufern beschritten.

 

Die Steuerung der Dotierung in das Umgehungsgerinne erfolgt mit einem sogenannten Slotpaßsystem nach Dr. Ing. R.J. Gebler. Bei diesem System ist sichergestellt, daß die Strömungsgeschwindigkeiten nicht nur den Erfordernissen der vorhandenen Fische der Forellenregion entsprechen, sondern auch den weniger mobil ausgestatteten limnischen Arten den Aufstieg ins Oberwasser ermöglicht. Dieser Vorteil wird durch das Fehlen von Flachwasserabstürzen und einem speziellen durchgehenden Sohlsubstratbelag auch im Regelbereich erreicht. Somit ist sichergestellt, daß kein horizontales Sperr- oder Regelorgan den Durchstieg behindert. Die jahreszeitliche Dotierungsregelung mit 100 / 130 / und 160 l/sec. erfolgt lediglich mit Einschubelementen bei der Slotsektion beim Einlauf in das Gerinne.

 

In das Umgehungsgerinne wurden überdeckte Ruhezonen in Form von begrünten Öko-Brücken eingebaut. Zur Verbesserung der Lockung wird der Überlauf einer angrenzenden Fischteichanlage zusätzlich in das Umgehungsgerinne zugeleitet und so in der Salza Lenkströmungen erzeugt. Eine Notwasserdotierung verhindert bei Staulegung ein Trockenfallen der Aufstiegshilfe und kann gleichzeitig zur fallweisen dynamischen Spülung des Gerinnes herangezogen werden.

 

Mit der Verwendung der Baustoffe abgerundete Naturblocksteine, biogene Materialien wie Wurzkörper und Rauhbaumstücke wurden naturgleiche Fließblilder mit hochwertigen Strömungsmustern erreicht. Neupflanzungen mit standortgerechten Ufergehölzen sorgen ebenso für die harmonische Eingliederung in den neu geschaffenen Naturraum.

 

DAS ZIEL

 

Die Maßnahme Umgehungsgerinne Rechensteg an der Salza Gußwerk ist ein Beispiel für die Erhaltung und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume für die im Gewässer und dessen Umfeld lebende Fauna und Flora. Die biologische Verbindung mit den noch nicht näher erwähnten gewässergütehebenden Maßnahmen stellt eine wesentliche Verbesserung für den gegenständlichen Gewässerabschnitt dar.

 

Dieses Ziel konnte nur durch das Verständnis und der ökonomischen Bereitschaft aller Verantwortlichen erreicht werden. In diesem Zusammenhang gilt der Dank im besonderen der ÖBF AG, Forstbetrieb Steiermark und der EVN, für die Finanzierung des aufwendigen Projektes.

 

Für Fragen bezüglich des Projekts stehen Ihnen die Beteiligten jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Armin Pijawetz