Flussbauliche Entwicklungen an der Salza

Salza Gusswerk

Die Salza wird im Buch der Flüsse als der Fluss der Bären bezeichnet und gehört darin in der Auflistung von 1290 km Flussstrecken nationaler Bedeutung zu den ökologisch wertvollsten und schönsten Flüssen Österreichs.


Das Einzugsgebiet
Die Salza durchfließt das Natur- und Landschaftsgebiet Mariazellerland von Osten nach Westen. Mit einer mittleren Höhenlage von 1100 m und einer Jahresmitteltemperatur von 5,5°C umfasst das betroffene Einzugsgebiet 300 km². Das Fließgefälle liegt bei rd. 3%. Der mittlere Jahresabfluss von 7 m³ ergibt sich aus den Niedrigstwasserführungen und den jährlichen Hochwasserführungen von 50 m³/ sec. bis zu 250 m³/sec.( HW 100).


Der Zustand
Im Oberlauf  grenzen an den gut ausgestatteten Uferbegleitgehölzsaum Weide- und Grasnutzungen sowie landwirtschaftlich extensiv bewirtschaftete Talflächen an. Der Flusslauf pendelt hier durch anmoorige von der Eiszeit geformte Böden. Die Ufer werden vorwiegend mit Grauerlen und Bruchweiden natürlich stabilisiert. Mit ausgeprägten Mäandern und mit wechselnden Sohlbreiten zeigt auch hier schon die Salza ihr Energiepotenzial. Die sich dadurch einstellenden, ständig wechselnden Geschiebekapazitäten mit ausreichend vorhandenen Todholz und  weitgehende Kronenschlussbeschattung ermöglichen die zahlreichen  Äschenschulen in diesen Bereichen.
Das natürliche Fließkontinium zeigt ein gutes Lehrbeispiel für lebende Flussökologie und Landschaftsdynamik. Stellt sich der Oberlauf mit unterspülten Steilufern, Schotter- und Kiesbänken sowie temporär angeschlossenen Moor- und Stillgewässern dar, so zeichnet sich der Unterlauf durch Fels- und Schluchtstrecken mit seinen rasch wechselnden unterschiedlichen Wassertiefen aus.


Die Fischerei
Am Oberlauf der Salza mit ihren namhaften Zubringern sind die österreichischen Bundesforste, Forstverwaltung Gußwerk, fischereiberechtigt. Mit entsprechenden Pachtverträgen werden die Gewässer unter bestimmten ökologischen Erfordernissen zeitgemäß bewirtschaftet.


Die Energienutzung
Da in den letzten Jahrzehnten zusätzlich keine weiteren Nutzungen für Energie aus oder mit Wasserkraft erfolgten und bei den bestehenden Anlagen in Folge von Umbauten auf weitestgehende Erfüllung der ökologischen Anpassungsmöglichkeiten Bedacht genommen wurde, fügen sich vor allem die neuen gut strukturierten Stauräume in das Landschaftsbild ein und erweiterten die benutzbaren Wasserflächen.
Ebenso wird mittelfristig und einvernehmlich mit den Anlagenbetreibern die Durchgängigkeit des Fischzuges  mit Umgehungsgerinnen oder entsprechenden Aufstiegshilfen für die Leitfischarten Äsche und Bachforelle sichergestellt.


Der Ufer- und Hochwasserschutz
Die Salza durchfließt mit Ausnahme von Gußwerk, wo zum seinerzeitigen Eisenguss die Wasserkraft in verschiedenen Formen gebraucht wurde, keine hochwassergefährdeten Ortskerne. Aus diesem Grunde beschränkten sich flussbauliche Schutzmaßnahmen fast ausschließlich nur zur Sicherung der Infrastruktur.

Alte Wege neu begangen
Um einerseits den hochwertigen Naturraum der Salza mit der ökologischen Vielfalt zu erhalten und anderseits den erforderlichen Schutz vor den Unbilden der Natur sicherzustellen, wurden nach dem Hochwasserereignis 1995 seitens der für die Salza zuständigen Außendienststelle des Landes Steiermark, die Baubezirksleitung Bruck/Mur, entsprechende naturnahe Bauweisen zur praktischen Anwendung gebracht.
Entscheidende Grundlage war die Erkenntnis, dass die Gewässer bis zum Eintritt der Industrialisierung vom Menschen keine Hilfe oder Änderungen erfuhren und eine solche Unterstützung für die Erhaltung der natürlichen Harmonie und Vielfalt auch nicht brauchten.
Primären Hintergrund für die Art der Bauweisen musste die Natur daher selbst liefern.
Zusätzliche geistige Anregungen wurden von V. Schauberger, einem Förster und begnadeten Naturbeobachter entliehen. Er sagte unter anderen schon vor 50 Jahren: „Einen Fluss reguliert man nicht von seinen Ufern aus, sondern von innen her, vom fließenden Medium selber.“ und,  "K = K . Zuerst kapieren und dann kopieren“.
Es zeigte sich recht bald, dass mit der gefühlvollen Verwendung von gewässereigenen Baumaterialien wie Wurzkörper, Raubäume, Schwemm- und Uferholz gute Ergebnisse erzielt werden konnten. Durch die vom vorbeiströmenden Wasser bewegten Wurzel- und Astenden stellt sich eine Wirbelgleitschichtfläche ein, sodass Wasser auf Wasser, ähnlich der Haifischhaut, schadlos am Deckufer vorbeigleitet. Im Gegensatz zu harten Verbauungsmethoden werden somit die Schleppkräfte vom Uferdeckwerk weitgehend  ferngehalten.
Die ökologischen Vorzüge und die ökonomische Nachhaltigkeit dieser Bauweisen zeigen einen weiteren Weg zu einer sanfteren Ufersicherung.


Qualitätsverbesserungen durch Sicherungsmaßnahmen
Eine wesentliche Erfolgssteigerung mit zusätzlicher Minimierung des Aufwandes kann durch die Ausnutzung der gewässereigenen Energie erreicht werden. Mit gezielten Einbau von möglichst gerundeten Blocksteinen, meistens in Sohlnähe, wird dabei die Fließenergie benutzt um den Flussstrich vom Prallufer in die Mitte oder in die Sohle zu verlagern oder je nach Wasserführung überhaupt in sich aufzulösen. Durch die gezielte, sorgfältige Anwendung ist es dadurch möglich Uferzerstörungen, lästige, meist unnutze, auch für das Gewässer schädliche Schotterbankräumungen auf Dauer zu vermeiden und so das Geschiebeenergiegleichgewicht aufrecht zu erhalten.
Weiters kommt es im Gewässer durch die erzielten Einwirbelungen zu gewässerspezifischen Struktur- und Qualitätsverbesserungen zu Temperaturabsenkungen und örtlicher Dynamisierung.
Die Baubezeichnungen wie Pendelrampe, Sichelbuhnen, Wasserschnecke, Trichter  usw. erscheinen vielleicht noch fremd und gewöhnungsbedürftig.
Die Bewährung dieser Maßnahmen erfolgte durch das Hochwasser 1997. Obwohl zum Anwachsen keine Zeit blieb, zeigten sich im Gegensatz zu anderen Bauweisen keinerlei Schäden.
Die Vorteile die dabei der Fischerei erwachsen sind naheliegend und mit den zugenommenen örtlichen Bestandsdichten klar erkennbar.  


Zusammenfassung
Durch die bewusste Einbeziehung der Fließenergie bei Bauweisen am Gewässer können Sicherungsmaßnahmen auf ein verblüffendes Minimum reduziert werden und öffnen weitere Möglichkeiten im Sinne des ganzheitlichen Denkens und Handelns in dem für uns Menschen wichtigen Lebens- und Erholungsraum Gewässer.
Die Entwicklung der Bauweisen und die zur Verfügungstellung des für einen natürlichen Gewässers vermehrten Flächenbedarfes wäre jedoch ohne dem weitreichenden Verständnis und der Bereitschaft der Forstleitung der ÖBf. Gußwerk mit den jeweiligen Pachtnehmern als Fischereiberechtigte nicht möglich gewesen. Die Arbeitsweisen an der Salza zeigen von einem  beispielhaften gemeinsamen Weg zur nachhaltigen Pflege unserer Natur und einer gewissenhaften Einstellung für das Lebenselement Wasser.

 

Otmar Grober, Wasserlenker

© Pijawetz

 

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